Chronik zum Züchterabend
Die Geschichte des Geflügelzuchtvereins Dingolfing - Rede Züchterabend 2026
Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war Dingolfing stark geprägt, durch die Gründung zahlreicher Vereine und Gruppen. Viele hatten soziale und kulturelle Hintergründe. Einen nicht zu unterschätzenden Teil nahmen aber Gruppen ein, die sich mit der Zucht, Hege und Pflege von Tieren befassten.
Die Dingolfinger Bürger: Karl Buchstett, Bartl Schwablmeier, Emil Haubenschmidt, Josef und Engelbert Riesenhuber, Alois Obauer und Georg Hauer gründeten im Jahre 1876 den GZV Dingolfing. Von Jahr zu Jahr wuchs der Verein und 1899 zählt der Verein bereits 150 Mitglieder.
Die ältesten Protokolleintragungen ab 1900 zeigen, dass sich der GZV intensiv mit der Zucht verschiedenster Rassegeflügel beschäftigt hat. So werden als Hühner angeführt:
Weiße, rebhuhnfarbige und schwarze Italiener, schwarze Minorka, porzellanfarbige Malaien, weiße Ramelsloher, Rheinländer und Indische Kämpfer. Zudem züchtete man Zwerghühner, Truthühner, Peking-Enten, Toulouser Gänse und sogar Pfauen. An Tauben sind folgende Rassen zu dieser Zeit sehr beliebt gewesen: Huhnschecken in 4 Farben, Gimpeltauben, Strassertauben, Huhntauben, Malteser und englische Großkröpfer.
Der Verein erwarb selbst, mit entsprechenden Staatszuschüssen gute Stämme. 1901 erhielt der Verein 1,2 Peking-Enten und 1902 1,8 rebhuhnfarbige Italiener. Sie wurden bei Mitgliedern als Stammhalter untergebracht, blieben aber Eigentum des ganzen Vereins. Der Staat förderte so die Reinerhaltung der Arten. Preislich lagen die 1,8 Italiener bei 45 Mark.
Alte Ausstellungskataloge belegen, dass ab dem Jahre 1913 jährliche Geflügelausstellungen abgehalten worden sind. Außerdem beschloss im Jahre 1913 der GZV in der Versammlung 30 Kaninchenzüchter aufzunehmen. Sie sollten die gleichen Rechte zur Ausstellung ihrer Tiere genießen. Zugleich fand eine Umbenennung in Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Dingolfing“ statt. Das Zusammengehen wurde im Übrigen dann im August im selbigen Jahr, durch eine "Hasenwurst-Partie" gefeiert. Nach dem 1. Weltkrieg blieben die Kaninchenzüchter aber wieder unter sich und bildeten ihren eigenen Verein.
Seit 1885 führte der GZV regelmäßig beim Kirchweihvolksfest einen Geflügelmarkt durch. Ebenso wurden auf diesem Markt landwirtschaftliche Produkte verkauft. Beides wurde in einer mobilen Halle durchgeführt. Allerdings kosteten die Auf- und Abbauarbeiten dem Verein und der Stadt erhebliche Mittel. Um den abzuhelfen, stellte das Gemeindekollegium im Frühjahr 1902 den Antrag, dass in Dingolfing eine Geflügel- und Produkthalle gebaut wird. Dieses Gesuch wurde auch bewilligt. Die Gesamtkosten für das Projekt beliefen sich damals auf die stolze Summe von 866,37 DM. Der Verein leistete davon 175,35 DM, das Übrige bezahlte die Stadt Dingolfing.
Auch an den Faschingsdienstagen war der Verein ab etwa 1902 aktiv und unterhielt die Leute mit einem Geflügelmarkt. Jahre später wurde der Markt auf Faschingssonntag verlegt (Beschickungszahl 1903: 164 Tauben, 27 Stämme Hühner, 6 Enten und eine Gans).
Kirchweih 1907 hielt der Verein seine 22. große allgemeine Ausstellung, die mit rund 1000 Tieren aus ganz Bayern bestückt war.
1954 wurde die Ausstellungshalle durch ein Hochwasser zerstört und beendete so die traditionelle Kirchweih Ausstellung.
Der hohe züchterische Stand und das Ansehen des DGF Vereins bei den Kollegen war Anlass genug, 1971 die 15. Kreisschau Niederbayern-West an Dingolfing zu vergeben. Landrat Dr. Hastreiter betonte, dass er die Schirmherrschaft gern übernommen habe, denn der Verein habe es wieder einmal bewiesen. Man müsse wirklich froh sein, dass es in unserer schnelllebigen und ideenarmen Zeit noch Vereine gebe, die die Gesellschaft pflegen und Ideale hochhielten und somit leistet der GZV Dingolfing auch zum gesellschaftlichen Leben in der Stadt einen wertvollen Beitrag. Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn werden hier großgeschrieben.
1976 ging der Trend von Hühnern zurück und der Verein bestand vorwiegend aus Taubenhaltern. Im Verein waren ca. 2000 Tauben datiert, darunter Florentiner, Strasser in diversen Farben, Kingtauben, Steller Kröpfer, Elsterkröpfer, Luchstauben, Coburger Lerchen und Römertauben. An Ziergeflügel züchtete man in den 70er Jahren nur noch Braut- und Mandarinenenten.
Ein großes Glück war für den Verein die Fertigstellung der Bauhofhallen im Jahr 1992. Die Stadt Dingolfing stellt den Vereinen diese Örtlichkeit für Ausstellungen zur Verfügung. Etliche Kreisschauen, zahlreiche Gruppenschauen und viele Schauen der Sondervereine King,- Strasser,- und Römertauben konnten bis heute durchgeführt werden.
2001 feierte der Verein sein 125jähriges Gründungsfest mit Standartenweihe. Die neue Standarte wurde in der Stadtpfarrkirche St. Josef geweiht und zahlreiche Vereine des KV Isar/Vils waren beim Festzug durch die Stadt Dingolfing dabei.
Im Jahr 2009 war ein besonderes Vereinsjahr. Im Juni fand mit Mitwirkung des BV Niederbayern die Landesverbandstagung mit Fahnenweihe statt.
Im Herbst 2009 wurde zum ersten Mal eine niederbayerische Bezirksschau in Dingolfing und Frauenbiburg abgehalten. Unter des 1.Vorsitzenden Rupert Fuchs wurde die Ausstellung von Konrad Huber, Alfons Brechhuber und Ludwig Wiesinger organisiert. Mit großem Erfolg konnte diese Schau an zwei verschiedenen Ausstellungsorten abgehalten werden. Höhepunkt der Vereinsgeschichte war die Durchführung der 61. Bayerischen Landesgeflügelschau im Jahr 2010 in Straubing. Die beiden Ausstellungsleiter Konrad Huber und Ludwig Wiesinger konnten nach zweijähriger Vorbereitung die Ausstellung mit 12.000 Tieren in 7 Messehallen eröffnen. Die Schirmherrschaft übernahm der 1. Bürgermeister Josef Pellkofer der Stadt Dingolfing.
2012 wurde Rupert Fuchs nach 27 erfolgreichen Jahren als 1.Vorsitzender des GZV von Konrad Huber abgelöst.
Die Landesschau in Straubing konnte der GZV 2016 übernehmen. Die Vorbereitungen mussten aufgrund der damaligen Flüchtlingsproblematik immer wieder unterbrochen werden. Erfolgreich konnte die Schau dann Ende Oktober erfolgen.
Trotz seines immensen züchterischen Wissens und seinem Herzblut für den GZV musste sich Konrad Huber mit seinem Verein die weiteren Jahre doch auf schwierigere Zeiten einstellen. Immer wieder gab es Vogelgrippeausbrüche, die die Ausstellungen erschwerten. Viele Züchter hörten altersbedingt auf, jüngere interessierte Mitglieder kamen immer weniger aktiv zum Verein.
2020 war Corona Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite konnte mit dem Lockdown kein „normales Vereinsleben“ geführt werden. Auf der anderen Seite, kamen viele Leute wieder auf die Idee Hühner für die Selbstversorgung zu halten. Und genau diese Personen benötigten den vorgeschriebenen Impfstoff durch die Vereine.
2022 wurde ich von Konrad gefragt, ob ich das Amt der 1. Schriftführerin übernehmen würde. Kleiner Schwachpunkt von mir, nein sagen kann ich nicht, und obwohl ich bis auf die Impfausgabe noch keine Mitglieder gesehen hatte und auch keine einzige Versammlung besucht hatte, sagte ich letztendlich zu.
Diesen Schritt bereue ich nicht. Nach mehreren Versammlungen verstand ich langsam, warum Konrad und Rupert, aber auch der damaligen Vorstandschaft der Verein am Herzen lag. Aber, wie mittlerweile bei vielen Zuchtvereinen, werden die Mitglieder weniger, man muss sich auf andere Wege begehen und man muss Offenheit für Neues mitbringen und dies versuchten wir gemeinsam umzusetzen.
2023 war ein schwarzes Jahr für den Verein. Mit vielen Plänen und Zielen verstarb völlig unerwartet Konrad Huber. Mit ihm ging nicht nur unser 1.Vorsitzender verloren, sondern auch ein guter Freund, Berater und hervorragender Züchter.
Für alle nicht zu glauben, und nicht zu verstehen, stellte sich aber auch bald die Frage, wie es mit unserem Verein weitergehen soll.
Als Stellvertreter managte zuerst Jochen Hruschka als 2. Vorsitzender den GZV. Obwohl Jochen völlig überraschend nun an erster Stelle stand, vertrat er seine neue Aufgabe hervorragend. Schnell wurde aber klar, dass Jochen aus persönlichen Gründen, dass Amt auf Dauer nicht übernehmen konnte.
Mit einer Zwischenwahl wurde ich als 1. Vorsitzende im Herbst 2023 gewählt. Außerdem übernahm mein Amt der 1. Schriftführerin Petra Glümer und als Jugendleiterin wurde Angelika Brunner gewählt.
Kurz darauf musste der Verein erneut einen Verlust hinnehmen. Im Dezember verstarb ebenso völlig unerwartet unser Ehrenvorsitzender Rupert Fuchs. Auch er war bis zuletzt ein treuer Berater und Unterstützer des Vereins.
Trotz des Fehlens zweier wichtiger Menschen in unserer Mitte nutzten wir „Neuen“ dennoch den Start in die Zukunft des Vereins. Ideen wurden hin und hergeschoben, aber auch unsere jahrzehntelangen Mitglieder wurden sehr gerne mit einbezogen und waren und sind nach wie vor eine große Unterstützung für uns alle. Jochen meinte einmal, wir sind die Jüngeren, die Mittleren und die Älteren und wir müssen jetzt zusammen halten. Und genau dies haben wir getan und sind ein Verein geworden, der langsam aber sicher an Fahrt aufnimmt.
2024 waren wir wieder auf der Gewerbeschau in Loiching vertreten. Mit neuen Ideen um unseren Stand zu repräsentieren, konnten wir durchaus auf ein erfolgreiches Wochenende zurück blicken. Alt und jung kamen gerne an unseren Stand und informierten sich über Geflügel, Krankheiten und Haltung.
Im Januar 2025 konnten wir dann endlich wieder eine Kreisschau in den Bauhofhallen Dingolfing durchführen. Als Auftakt für uns sehr gelungen. Und obwohl so mancher Züchter verlautet hat: „dann schauen wir uns die Frauenwirtschaft mal an“ konnten wir trotzdem punkten. Mit dem Wissen von unseren älteren, erfahrenen Vorstandsmitgliedern, aber auch einen modernen, neuen Touch, konnten wir „Laien“ eine vernünftige Ausstellung abhalten und durften uns stolz selbst auf die Schultern klopfen – ja wir wissen, Eigenlob stinkt!
Im Oktober 2025 hatten wir dann den King Club für die Jungtierbesprechung zu Besuch. Auch dies konnte durch unsere Mitglieder optimal gestemmt werden und die Züchterinnen/Züchter -und natürlich auch wir- hatten schöne Stunden.
Die nächste Kreisschau sollte im Januar 2026 in den Bauhofhallen Dingolfing stattfinden. Allerdings entschloss sich der GZV aufgrund des Vogelgrippegeschehens dazu, diese abzusagen.
Für uns Geflügelhalter hatten es die letzten Monate sehr in sich, ab Herbst waren etliche Vogelgrippeausbrüche zu verzeichnen, im Anschluss daran, grassierte vielerorts die Newcastle Krankheit. Bereits 1900, so belegen es die Aufzeichnungen, mussten auch da immer wieder Ausstellungen aufgrund der Geflügelpest abgesagt werden. Und das gibt uns Mut. Unser Verein hat es durch die Kriege geschafft, musste sich immer wieder neu formen und aufbauen. Und trotzdem hat er allen bisherigen Krisen getrotzt. Ich bin sehr stolz, ein Teil dieses Vereins zu sein.
Viele von euch haben die Bilder auf der Leinwand gesehen. Und ich denke, jedem fehlt etwas der Zusammenhang. Querfeldein und kunterbunt. Genauso, wie ich unseren Verein heute beschreiben würde. Wir schlagen zum Teil neue Richtungen ein, wir haben viele verschiedene Charaktere in unserem Verein und trotzdem wird Zusammenhalt, Offenheit, Unterstützung und Miteinander großgeschrieben. Trotzdem sind wir vielleicht manchmal etwas chaotisch, manchmal nicht nach Etikette und dennoch denke ich, dass dies den Zahn der Zeit trifft.
In diesem Sinne möchte ich unseren Ehrenmitgliedern, der Vorstandschaft und allen Vereinsmitgliedern herzlich für die große Unterstützung und Mitwirken im Verein bedanken. Ohne Euch wäre der GZV heute nicht da, wo er jetzt ist. Ich bin mir sicher Konrad und Rupert wären wahnsinnig stolz auf uns alle.
Ich freue mich, auf viele schöne Versammlungen, Ausstellungen aber auch gesellschaftliche Treffen des Vereins wie das Sommerfest oder die Weihnachtsfeier.
Ich hoffe ich darf noch viele, viele Jahre mit dem GZV erleben und wünsche dem Verein weiterhin alles erdenklich Gute.
- Juni 2026, 1.Vorsitzende Martina Meindl -
(Fehler vorbehalten, Recherche aus Unterlagen des Vereins)